Psychosomatik
Seelische Störungen treten oft im Zusammenhang mit belastenden Lebensereignissen im Sinne einer Krise auf. Auslöser hierfür können Partnerschaftskonflikte oder die Trennung vom Lebenspartner, der Verlust eines geliebten Menschen, Einsamkeit, Probleme am Arbeitsplatz, Arbeitslosigkeit, gesundheitliche Probleme, Überforderung, Sinnkrisen oder traumatisierende Erfahrungen sein. Manchmal lässt sich zunächst gar keine Ursache erkennen.Am häufigsten zeigen sich seelische Krankheiten durch seelische Symptome wie Depressionen und Ängste oder durch Verhaltensstörungen wie Zwänge oder Ess-Störungen. Manchmal finden sich jedoch nur körperliche Symptome wie Beschwerden der Atmungsorgane, des Herz-Kreislaufsystems, der Haut, der Verdauungsorgane, Schwindel oder Schmerzen, wobei trotz umfangreicher Untersuchungen keine körperliche Ursache gefunden werden konnte. Als Erklärung hierfür dient die Vorstellung, dass sich Körper und Seele eines Menschen nicht trennen lassen. Das heißt, wenn es der Seele schlecht geht, hat dies Auswirkungen auf den Körper und umgekehrt. Abgeleitet aus den griechischen Wörtern Psyche für Seele und Soma für Körper wurde der Begriff Psychosomatik für die Lehre vom Zusammenhang zwischen Seele und Körper gebildet. Die Psychosomatik beschränkt sich jedoch nicht allein auf körperliche Störungen, bei denen eine seelische Ursache angenommen wird, sondern sie befasst sich allgemein mit seelischen Krankheiten, die sich aus der individuellen Lebensgeschichte mit ihrer frühkindlichen Entwicklung, innerseelischen Konflikten und erlernten Verhaltensmustern erklären lassen. Dazu gehören unter anderem die Krankheitsbilder Depressionen, Angststörungen, neurotische Störungen, Persönlichkeitsstörungen, Zwangsstörungen, somatoforme Störungen, Schmerzstörungen und Ess-Störungen.
Auch wenn es zwischen der Psychosomatik und der Psychiatrie, der sogenannten Seelenheilkunde, viele Überschneidungen gibt, liegt der Schwerpunkt der Psychiatrie im Gegensatz zur Psychosomatik in der Behandlung von Psychosen, Suchterkrankungen und Erkrankungen, die auf eine Schädigung des Gehirns zurückzuführen sind oder bei denen erbliche Faktoren maßgeblich beteiligt sind. Außerdem kommt der medikamentösen Behandlung mit Psychopharmaka in der Psychiatrie eine größere Bedeutung zu, während in der Psychosomatik vorwiegend psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen Anwendung finden.


